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26. März 2006

Alter Erz-Bergbau um Halver

Abgelegt unter: Halver — Oliver Glasmacher @ 17:26

(c) by Oliver Glasmacher

Die Felder Annaglueck und Idaglueck wurden 1902 an Prof. Dr. Winterfeld verliehen. Herr Winterfeld hatte 5 Jahre lang in der Umgebung geschürft und dabei alte Schürfe gefunden. 1904 wurde der Betrieb durch den Hörder Hütten- und Bergwerksverein aufgenommen. Im Feld Annaglück wird von der Talsohle ein Stollen (der alte Stollen, s. Foto) aufgefahren und in Richtung der Fundpunkte vorangetrieben. Mit 4 Mann Belegschaft wurde der Betrieb eröffnet.

Stollen Idaglueck

1905 war der Stollen 45 m weit vorgetrieben und es wird im Feld Idaglück nahe des Fundpunktes ein Schacht abgeteuft. Man trifft 2x auf alte Baue, die mit Lehm versetzt sind. Wegen starker Wasserzuflüsse musste der Schacht verlassen werden; der Stollen wird nun mit 6 Bergleuten vorangetrieben um den Schacht zu erreichen. Im Stollen wird in einem Querschlag eine “Pulverkammer” eingerichtet und nun Dynamit zum Vortrieb genutzt. 1905 stellt der Hörder Verein die Arbeiten ein, Stollen und Schacht wurden verschlossen. 1906 nimmt Prof. Winterfeld die Arbeiten wieder auf. Der Alte Stollen wird weiter vorangetrieben. Außerdem wird an verschiedenen Stellen im Grubenfeld geschürft um die Ausdehnung des Erzganges zu erfahren. Wegen Streites mit den Grundstückseigentümer “Pulvermacher” stockt der Vortrieb, sogar die Bergleute werden bedroht. 1908 kommen die Arbeiten wieder zum Erliegen. Auch 1912 -1913 werden weitere Arbeiten durchgeführt. 1914 setze er einen neuen Stollen im Feld Idaglueck an. Das Gangvorkommen wird durch 4 Stollen und 5 Schächte “nachgewiesen”. 1916 nach erfolgreichen Aufschlüssen im Feld Idaglück wird ein neuer Schacht “Idaglück”, muss jedoch wegen Kriegsgefahr die Arbeiten einstellen. 1918 verpachtet Winterfeld die Grubenfelder an die Gewerkschaft Rudolph (Remscheid) Es wird der Alte Stollen wieder aufgewältigt und bis jenseits des Hauptlagers, insgesamt 130 m aufgefahren. Sodann wird ein Aufhauen im Hauptlager aufgefahren und daraus ein neuer Förderschacht hergestellt. Der Schacht wird unterhalb des Stollens noch 8 m weiter abgeteuft. Dort sind weiter Querschläge zwecks Aufschlußarbeiten vorgesehen. Im Stollen II (siehe Foto unten) soll der aufgeschlossene Gang weiter untersucht werden doch werden die Arbeiten bald eingestellt.

(Stollen II im Feld Annaglück)

1919 kommt es zu einen neuen Vorfall. Schwere Maschinenteile sollen angeliefert werden, jedoch verweigert der Bauer Pulvermacher den Fahrzeugen die Durchfahrt. Die Arbeiten werden bald darauf eingestellt. Im Rahmen der Autarkiebestrebungen des Dt. Reiches wurde 1935 der Betrieb wieder aufgenommen. Prof. Winterfeld hatte einen Antrag gestellt und sich dabei auf das Gutachten von 1914 bezogen. Nun werden weitere Aufschlußarbeiten finanziert. Der Schacht Idaglück wird wieder aufgewältigt. Am Schacht werden einfache Baracken errichtet, die die Maschinen wie einen Elektromotor, die Haspelmaschine sowie einen Kompressor aufnehmen. Ein Dreibaum dient als Schachtgerüst. Weiter werden 2 Betongruben zur Klärung der Grubenabwässer gebaut und eine Feldschmiede errichtet. Nördlich des Stollen II werden bei einer alten Pinge weitere Aufschlußarbeiten durchgeführt. Es werden nacheinander 3 Schächte abgeteuft die alle wegen Wasserproblemen versoffen. Außerdem war ein Grabenschurf angelegt worden um den Untergrund zu untersuchen. 1937 wird der Alte Stollen nocheinmal verlängert und erreicht eine Länge von 160 m. Letzten Endes musste man feststellen, dass es sich nicht wie angenommen um ein Gangvorkommen sondern lediglich um versprengte manganhaltige Brauneisensteinvorkommen handelt. Daher kommen mit dem Tod von Dr.Prof. Winterfeld im gleichen Jahr alle Arbeiten zum erliegen.

Die Denkmäler des alten Bergbaues in Halver:

Von der Zeche Annaglück und Idaglück haben sich einige Interessante Relikte erhalten die man im Wald aufsuchen kann. Als erstes und bekanntetes Denkmal ist das Stollenmundloch des Idaglück-Stollens. Mit einer Lampe kann man hineinleuchten und sich einen Eindruck verschaffen. Der Stollen ist dort, wo in den Landkarten das Zeichen „Schlägel und Eisen“ ist. In der Umgebung findet der Wanderer dann weitere Denkmäler. Einmal oberhalb des Idaglückstollens Schächte und Halden, direkt am Weg. Auf der Gegenüberliegenden Talseite finden sich dann Stollenüberreste im Feld Annaglück, Am Grafweg weitere verbrochene Stollen und Halden.

Die Tiefbauanlage der Schachtanlage Annaglück und Idaglück von 1935 ist kaum noch zu erkennen. Bald ist gar nichts mehr zusehen. Dann bleiben nur die Fotos von 1999 die Karsten Binczyk angefertigt hat

Danke Karsten Binczyk für die Genehmigung die Bilder hier zu zeigen

Der Zechenplatz 1999

Der Zechenplatz 1936

Die Fundamente der Gebäude 1999


Das Klärbecken 1999

9

Rekonstruktion der Förderanlage

Zustand im Jahre 2007:

Das Gelände der Tiefbauanlage ist teilweise gerodet. Die Fundamente wachsen langsam zu und die Becken werden mit Grünabfällen verfüllt.

Literaturhinweis:
Karsten Binczyk, Die Eisenerzzechen Annaglück und Idaglück in : „Halver“
Karsten Binczyk, Rekonstruktion eines alten Zechenplatzes in : „Halver“

Nicht weit entfernt hatte Prof. Dr. Winterfeld 1907 das Bergwerk Albertine II erworben. Es war 1873 an Friedrich Homey verliehen worden, der es 1907 aufgelassen hatte.

1919 ist es wieder in Betrieb genommen worden.

Slotta vermutet, das die nachstehenden Gruben und die Gruben Annaglück und Idaglück sowie Albertine auf einem Gangzug bauten.

Ossendorf

Merkur 1881 verliehen

Johannes Nähe

Slotta führt folgende Quelle an: In Öckinghausen und Clev ist schon im 15.JH Bergbau aktenkundig. 1499 erlaubt der Herzog von Kleve, den Brüdern Engelbert und Wilhelm von Edelkirchen wegen Schulden aus Rückständigem Sold auf Ihren Gütern zu Clev und Öckinghausen , “van eynen auslaige van yserenwerck suecken, wynnen ind verhantieren moegen“ (Eisenerz zu muten, zu schürfen und abzubauen). (DÖSSELER I)

Direkter Bezug ist nicht zu erkennen. 1856 ist das Feld verliehen worden. Aufgeschlossen wurde ein Toneisensteinflöz mit einem Eisengehalt von 35 % und 25,4 %

Halver II 1857 hat Louise Harkorten mit Steiger Schmitt dieses Bergwerk gemuthet. Die Muthung nahm Bezug auf eine ältere gelöschte Muthung. Auch hier ist es ein Toneisen- steinvorkommen. Das Bergwerk wurde verliehen und wechselte mit dem anderen Grubenbesitz der von Harkort häufiger den Besitzer. Kein Abbau.

Hürxthal I ist ebenfalls von Harkorten gemuthet wurden. Im 2.Anlauf hatte man Erfolg. Verliehen wurde Brauneisenstein mit einem Gehalt von 22.7 %

Marianne ist eine Muthung die auf die gelöschte Muthung Halver I Bezug nahm. Hier wurde ein Erzvorkommen aus Rot-, Braun- und Toneisenstein aufgeschlossen. Verleihung erfolgte 1858.

Carthauser Gewerkschaft „auf dem Sundern” keine Unterlagen

1935 lesen wir, das sich das Amtsgericht Lüdenscheid weigert, die Bergwerke Halver II, Hürxthal I und Rothhausen I an die Ver.Stahlwerke AG zu überschreiben; das alte Recht bestehe fort.

Angeblich ist bis ins 17.JH hier Abbau betrieben worden, der spätestens 1650 zum Erliegen kam. Da berichtet der Hogreve, dass auch im Kirchspiel Halver keine Bergwerke mehr seien. Mittelpunkt war das Bergwerk am sogenannten Schwarzen Teich, der noch vor der Bebauung in der Topographischen Karte verzeichnet war. Laut Geologischen Karten handelt es sich hier um ein Vorkommen in dem Ablagerung des Tertiär, wo Quarz und Schwerspat mit Brauneisenstein auftreten. Das Eisenerz kam nur verstreut vor und konzentrierte sich auf den “Schwarzen Teich” . Nach den Quellenangaben der Carthauser Eisenhütte waren die Eisenerz-Lieferungen vom Schwarzen Teich bedeutend. Heute sind keine Spuren des Bergbaues mehr vorhanden. Nach den Akten sind die letzten Kuhlen beim Bau des Gewerbegebietes Öckinghausen verschüttet worden. Bei Ausschachtungsarbeiten sind immer wieder geologische Aufschlüsse zugänglich geworden.

Jakob am Ende 1688 “Caspar Gruiter,Hogreve zu Breckerfelt hat vor einige 40 jahre (1648) bey dem Bergmeister Diest Muthung gesonnen auf eine Fundgrube mit Eysenstein mit behörendem Stollen nechst der Landstraße zu Smithausen im Kirspel Halvern gelegen , hat domals damit einen Anfang gemachet, aber wegen Kriegsgefahr damit einhallen müssen; ist bis hierhin davon nichts gekommen ” (FROMMANN)

Also ist 1648 bei Smithausen mittels eines Schurfes Eisenerz offengelegt und Muthung eingelegt worden und der angefange Stollen weiter betrieben worden, bis der Dreißigjährige Krieg den Bergbau zum Erliegen brachte. Im Waldstück südlich hinter dem Hof Smithausen finden sich einige Gräben die auf einen grossen tiefen Steinbruch zu laufen. Leider werden die Gräben mit Grünabfällen verfüllt und waren sicher auch schon mal tiefer. Einige Pingen finden wir zerstreut über das Waldstück. Schriftverkehr von 1578: Oßwald Langhe von Sneburck bittet um Verleihung im Gericht Halver „im Mießen“ alaunhaltige Erze zu gewinnen. Der Herzog möchte sich erst beraten. Davon bekommt die Gewerkschaft des Rodenfeltschen Bergwerkes zu Schwelm Wind und meldet im gleichen Jahr Einspruch an und dass der Oßwald Langhe bereits mit den Arbeiten begonnen habe.

Ebenfalls 1578 muthet Philips von Furth, Bürger zu Köln, „eyner platzen auff dem Kleywerbergh bey Halveren“ ein Eisenerzberwerk. Dieser ist Partner von Oßwald Langhe Nun erfahren wir ganz genau, dass es sich um das gleiche Bergwerk handelt: Der Herzog zu Kleve schreibt dem Amtmann zu Wetter, dass die Gewerken des Rodenfeltschen Bergwerkes Einspruch erhoben haben, dass im Umkreis von 6 Meilen kein anderweitiges Bergwerk auf Alaun und Eisenerze verliehen würde. Es wird konkret benannt, dass es sich um das Bergwerk „up dem Kleyverbergh by Halver“ handelt. (DÖSSELER I). Darin steht auch, dass Dietrich Pälmer dieses Bergwerk am Leifersberg lokalisiert. Dort wären die entsprechenden Schürfstellen heute noch zu finden.

Gustavus - Bertram fand in den Fünfziger Jahren einen 5 Lachter langen verlassenen Stollen. Es wurde ein 19 Zoll starker Quarzgang aufgeschlossen in dem größere Partien Kupferkies eingesprengt waren. Der Malachit war nicht nur in den Klüften sondern auch in den Quarzmassen und Hohlräumen zu finden. Selbst in der liegenden Grauwacke war noch Kupferkies zu finden. (BETRAM) Quellen sind nicht bekannt, daher nur diese spärliche Information

Albertine verstürztes Mundloch

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