Fast überall Spuren historischen Bergbaus
Fast überall Spuren historischen Bergbaus
26.10.2006 / LOKALAUSGABE / BRILON
Giershagen. Der Arbeitskreis “Bergbau im Sauerland”, den die Historische Kommission für Westfalen und der Westfälische Heimatbund gemeinsam tragen, veranstaltete sein Jahrestreffen in Giershagen.
Der Einladung von Ortsheimatpfleger Reinhard Schandelle waren fast 40 Interessierte aus Marsberg und Umgebung gefolgt. Zwei Vorträge behandelten den Bergbau in Marsberg, bevor die nachmittägliche Exkursion vor Ort führte.
Reinhard Köhne (Meschede) stellte die Topographie des Bergbaus in Marsberg aufgrund der Bodenbefunde vor. Fast im gesamten Stadtgebiet gibt es Spuren historischen Bergbaus vorrangig auf Eisen, Kupfer und Blei. Am Enkenberg in Beringhausen wurde sogar nach Gold gegraben. Der Schwerpunkt lag neben dem Kupferabbau in Nieder- und Obermarsberg vor allem auf dem Eisenerzabbau im Süden des Stadtgebietes.
Rund um Giershagen liegen kleinere Bergreviere, die dank der guten Überlieferung von Kloster Bredelar und Haus Canstein auch in schriftlichen Zeugnissen zurück bis in das Mittelalter verfolgt werden können. Davon berichtete Prof. Dr. Wilfried Reininghaus (Senden). Die früheste urkundliche Erwähnung (1273) betrifft den Eisenerzabbau am Arnstein. Noch heute künden an vielen Stellen Pingen (Erdgruben) von mittelalterlichem Bergbau. Weitere mittelalterliche Eisenerzreviere waren Martenberg (1273), Dübelspad (1544), Eckefeld (1573), Lülingsholl (Grube Reinhard) (1586), Beringhof (1586), Watersberg (1663) sowie Huxholl (1682) bei Borntosten. Aber auch am Giershagener Buchholz wie im Dorf selbst (Am Knapp, Fuhrmannsweg) werden für 1744 Hausplätze mit Kupfergruben erwähnt.
Die Archive künden von Auseinandersetzungen um die Bergbaurechte zwischen den Klöstern Bredelar und Flechtdorf, den Adelshäusern in Padberg und Canstein sowie auf höherer Ebene zwischen Waldeck und Kurköln. Eine Auseinandersetzung um das Revier am “Dübelspad” wurde sogar auf dem Augsburger Reichstag im Jahre 1550 behandelt. Neben Kirche und Adel werden aber auch viele Bürgerliche aus Marsberg, Brilon und Waldeck als Besitzer von Gruben urkundlich erwähnt. Eine “reiche bürgerliche Oberschicht”, so Prof. Dr. Reininghaus, war in Obermarsberg ansässig und betrieb Gruben im Stadtgebiet.
Die nachmittägliche Exkursion führte zunächst zum Bildstock, den der Giershagener Bildhauer Papen um 1700 schuf. Er zeigt Bergbaumotive und nannte Gewerken, Reidemeister und Bergleute. Am Martenberg, schon auf hessischem Territorium, führte Uwe Diekmann (Olsberg) in die Geologie und in den großen Tagebau ein. Am Webbel erläuterte Johannes Becker (Giershagen) im Gelände den alten Tagebau in der Nähe der markanten Wüstung Esbicke sowie die Lage der mittlerweile verschwundenen jüngeren Anlagen, die bis 1963 betrieben wurden.
Der Arbeitskreis lädt für den 28. April zu seinem 5. offenen Werkstattgespräch nach Bredelar ein. Die Vorträge im Kloster gelten der Siedlungsgeschichte und Montangeschichte im mittleren Diemeltal (Dr. Rudolf Bergmann), Marsberg, als frühneuzeitlichem Montanzentrum (Prof. Dr. Wilfried Reininghaus) sowie dem Bergbau in der Herrschaft Canstein (Dr. Horst Conrad). Zwei Exkursionsstrecken in Marsberg werden angeboten. quelle: westfalenpost.de